Globalisierung
Globalisierung ist ein schwer fassbarer Begriff, für den viele verschiedene Definitionen existieren. Oft wird Globalisierung kurz als weltweite Arbeitsteilung beschrieben. Auf jeden Fall bezeichnet Globalisierung aber einen Prozess, bei dem weltweite Märkte für Waren, Dienstleistungen und Kapital entstehen und Volkswirtschaften sich zunehmend international miteinander verflechten. Voran getrieben wird diese Entwicklung durch weltweite Informationsnetzwerke und neue Technologien für Kommunikations- und Informationsmedien wie zum Beispiel dem Internet, aber auch durch neue Transportmöglichkeiten und moderne Produktionsprozesse.
Dabei gibt es grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen seit jeher. So importierte die Bundesrepublik schon 1950 Waren im Wert von 13 Mrd. DM und lieferte Waren im Wert von 11,8 Mrd. DM ins Ausland. In Relation zum nominalen BIP waren dies 13,4% beziehungsweise 12,1% (Import- bzw. Exportquote). Die internationale Handelsverflechtung der deutschen Wirtschaft hat seitdem erheblich zugenommen. Im Jahr 2011 bezog Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von 1158 Mrd. Euro aus dem Ausland und lieferte Waren und Dienstleistungen im Wert von 1289 Mrd. Euro an das Ausland. Heute beträgt die Exportquote 50,1% (2010: 46,1%) und die Importquote 45,0% (2010: 40,8%). Seit Mitte der 50er Jahre übersteigt der Wert der Ausfuhren den der Einfuhren. Auch im internationalen Vergleich der Gesamtwerte aller exportierten Waren nimmt Deutschland seit Jahren einen vorderen Platz ein. Die außerordentlich hohe Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte wird damit eindrucksvoll belegt.
Die deutsche Wirtschaft profitiert deswegen von der Verschmelzung nationaler Märkte zu internationalen Märkten und insbesondere von der europäischen Integration der Wirtschaft. Positive Folgen sind einerseits die großen Exporterfolge Deutschlands und andererseits die Einfuhren neuer Technologien. Die internationale Öffnung der Märkte ermöglicht zudem, dass ausländisches Kapital nach Deutschland fließt und qualifizierte Arbeitskräfte zuwandern. Deshalb setzt sich die Bundesregierung für eine weitere Vertiefung der internationalen Arbeitsteilung und offene Märkte ein.
Auswirkungen der Globalisierung
Unternehmen, Investitionsstandorte und Wirtschaftssysteme sind heute einem immer intensiver werdenden internationalen Wettbewerb ausgesetzt. Dazu haben im Wesentlichen vier Faktoren beigetragen: die zunehmend liberalisierte Weltwirtschaft mit offenen nationalen Märkten, der marktwirtschaftliche Kurs der ehemaligen Staatshandelsländer, der Aufholprozess der Schwellenländer und die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien.
Das hohe Tempo der globalen Veränderungen beschleunigt den Strukturwandel. Dabei wird es Gewinner und Verlierer geben. Die Sorge, zu den Verlierern zu gehören, schafft Unsicherheit und bei vielen Skepsis gegenüber dem Prozess der Globalisierung. Gewinner wird es umso mehr geben, je mehr Menschen die Chancen des Strukturwandels erkennen und ergreifen, ohne die Risiken zu unterschätzen.
Denn Globalisierung ist - anders als oft dargestellt - kein Wettstreit um die Verteilung eines weltweit fest vorgegebenen Wohlstands. Sie ist kein Nullsummenspiel, in dem der eine gewinnt, was der andere verliert. Sie ermöglicht es vielmehr jeder Nation, ihre komparativen Vorteile in der Güterproduktion zu nutzen, also sich auf ihre Stärken zu konzentrieren. Durch weltweit wachsende Absatzmärkte steigen die Exporte. Volkswirtschaften können andere Güter billiger importieren als selbst produzieren. Damit steigen die Realeinkommen im Inland und in den Herkunftsländern dieser Güter werden mehr Einkommen und Nachfrage geschaffen. So ermöglicht die internationale Arbeitsteilung bei funktionsfähigen Märkten hohe zusätzliche Wohlstandsgewinne. Durch sie werden Arbeit und Kapital dort auf der Welt eingesetzt, wo sie am besten genutzt werden können. Nicht funktionsfähige Märkte verursachen hingegen Wohlstandsverluste. Denn sie verhindern notwendige Anpassungen an sich verändernde Rahmenbedingungen.
Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik
Um die Chancen der Globalisierung nutzen zu können, bedarf es daher funktionsfähiger Märkte und einer hohen Attraktivität für international mobiles Kapital. Und dies heißt auch, dass jede Form von Protektionismus schädlich ist. Denn Schutzzäune sind auch Grenzzäune für höheren Wohlstand. Globalisierung ist gleichzeitig eine Herausforderung für die Reformfähigkeit unserer Gesellschaft und eine Chance für mehr Wohlstand - auch für Deutschland, Europa und für die zahlreichen noch immer zu wenig entwickelten Länder an der Wohlstandsperipherie.