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Innovative Technologien für behinderte Menschen

Hyperbraille - Erster "Laptop" für Blinde und Sehbehinderte

Blinder Mann sitzt vor Laptop für Blinde und Sehbehinderte
© BMWi

Computer sind heute in unseren Lebens- und Arbeitsumfeld zu einem unverzichtbaren Instrument zur Bewältigung der täglichen Aufgaben geworden. Sehbehinderte Computernutzer sind aber stark benachteiligt, wenn sie grafische und strukturierte Informationen am Bildschirm erfassen müssen. Der Zugang blinder Menschen zu Browsern und Windows-Programmen erfolgt heute durch sogenannte assistive Technologien per Sprachausgabe oder Braillezeile. Diese bereiten den Bildschirminhalt so auf, dass alles nacheinander vorgelesen bzw. ertastet werden kann. Der Gesamtüberblick ist nur schwer herstellbar und verlangt vom Betroffenen eine hohe Konzentration und Memorisierung.

Das Ziel des Projekts Hyperbraille bestand in der Entwicklung eines berührempfindlichen (Touch-Funktionalität), zweidimensionalen Stiftplatten-Displays, um Webseiten, Tabellen und andere grafische Informationen nun auch für Sehbehinderte darstellbar und besser erfassbar zu machen. Neben der Hardware ging es insbesondere um die Entwicklung der nötigen Software zur Ansteuerung der Stiftplatte und die Umsetzung von Grafiken und Bildern in eine geeignete Darstellungsform. Im Mittelpunkt des Vorhabens stand die optimierte Nutzung der gängigen Office- und Internet-Anwendungen, die in der Arbeitswelt eingesetzt werden. Weiterhin sollen auch geometrische Zeichnungen, Raumskizzen, Wegepläne, Diagramme u.v.m. blinden Schülern künftig im Unterricht zugänglich gemacht werden. Technische Zeichnungen, elektrische Schaltpläne aber auch die Unified Modeling Language (UML), die zur Softwareentwicklung genutzt wird, könnten für blinde Menschen neue Berufsbilder eröffnen. 

Die vom BMWi geförderte Phase des Projekts wurde in 2011 erfolgreich abgeschlossen. Der Prototyp des angestrebten "Braille-Displays" mit insgesamt 7200 Stiften (entsprechend 60 Braille-Zeilen mit je 120 Stiften) wurde realisiert. Entwickelt wurde ebenfalls ein neuartiges interaktives Braille-Fenster System als Bedienoberfläche. Außerdem liegen für eine Reihe der o.g. Anwendungen prototypische Software-Komponenten zur Ansteuerung des Braille-Displays vor. Parallel zur Soft- und Hardwareentwicklung wurde das System zusammen mit blinden Nutzern auf Praxistauglichkeit getestet. Das Projekt wurde im Rahmen der Sight City, der größten deutschen Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel, in den Jahren 2010 und 2011 öffentlich präsentiert.

Auf Grundlage der erfolgreichen Projektergebnisse und des hohen Interesses potenzieller Nutzer beabsichtigen Partner des Projekts nun die Umsetzung (nicht gefördert) des Prototypen in ein marktfähiges Produkt. Bereits in 2012 soll ein erstes Hyperbraille-System mit relevanten Grundfunktionalitäten kommerziell angeboten werden. Erste Einsatzmöglichkeiten werden vor allem in der schulischen und beruflichen Ausbildung gesehen. Bereits ab 2013 wird der weltweite Vertrieb der Systeme angestrebt. Derzeit ist das Hyperbraille-Flächendisplay das weltweit einzige funktionsfähige interaktive Flächendisplay in dieser Größe. Die Wertschöpfung erfolgt fast komplett in Deutschland.

Das Projektbudget von Hyperbraille betrug insgesamt (2007 - 2011) rund 9,4 Mio. Euro. Der vom BMWi geförderte Anteil daran betrug rund 4,8 Millionen Euro. Beteiligte Projektpartner waren: Metec AG, FH Papenmeier GmbH & Co. KG , IMS-Chips, TU Dresden, Institut für Informatik, Universität Potsdam (Institut für Informatik). 

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